Erfahrungsbericht Chris: "Meine Reise zum alten Ich" (Escitalopram und Mirtazapin abgesetzt)

Berichte von Betroffenen, die bereits Antidepressiva, Benzodiazepine, Neuroleptika (Antipsychotika) oder Phasenprophylaktika abgesetzt haben
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Re: Erfahrungsbericht Chris: "Meine Reise zum alten Ich" (Escitalopram und Mirtazapin abgesetzt)

Ein weiteres Update von Chris (März 2026):

Hallo zusammen,

anbei ein kleines Update nach 23 Monaten PP-Freiheit von mir.
Was soll ich sagen, es wird langsam alles viel besser. Ich habe kaum noch Wellen oder irgendetwas, was mich nervt. Mein Schlaf ist auch absolut in Ordnung. Letztens hatte ich 8,5h am Stück geschlafen. Ich weiß gar nicht, wann das zuletzt war. Ich träume auch viel, es heiß ja, man verarbeitet dann Dinge, die einen beschäftigen oder verarbeitet werden müssen. Insgesamt geht es mir also sehr gut und ich bin froh, diesen ganz Mist weit hinter mir gelassen zu haben. Ich kann das Licht im Tunnel nicht nur sehen, ich stehe bereits mittendrin.

Ich denke, dass mein Fortschritt auch damit zusammenhängt, dass ich den Alkohol seit gut 11 Wochen meide. Seitdem geht es stetig besser. Auch wenn der Konsum nur gelegentlich war, wirkt er in den gleichen Bereichen des ZNS wie das AD. Vermutlich habe ich den Mirta-Entzug dadurch künstlich verlängert, wer weiß?

Insgesamt kann ich aber sagen, dass der Entzug nach ca. 21 Monaten spürbar nachgelassen hat. Das ist zumindest ein Trend, der bis jetzt anhält. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, es sieht aber sehr gut aus. Ich bin gefühlt bei 99% Normalität. Die letzte Welle war von Weihnachten bis Januar 2026. Vom zeitlichen Zusammenhang könnte es die 18 Monatswelle gewesen sein.

Gerade bin ich dabei mich als Mensch neu zu entdecken. Alles, was durch das AD gedämpft war, kommt bereits wieder durch. Meine Freude, mein Antrieb, meine Ideen, meine Ruhe und Gelassenheit. Der alte Chris steht wieder auf der Bühne des Lebens und nimmt aktiv das Ruder in die Hand! Ich schaue nicht mehr nur zu! Das Gefühl war seit März 2015 durch den Crash und der AD´s nicht mehr vorhanden. Das ist das unglaublich schönste Selbstgefühl seit langem. Ich bin wieder ein selbstständig handelnder Mensch und kein AD gesteuerter Roboter mehr, der seine Gefühle sucht. :cloud:

Ich gehe zum Sport, treffe mich gerne mit meinen Freunden, plane die Zukunft, unterstützte meine Kinder und Familie, interessiere mich für Dinge und freue mich einfach über das Leben, denn das habe ich wieder zurückbekommen. Es fühlt sich an wie eine zweite Chance, als wäre ich von einer elfjährigen Einzelhaft begnadigt worden. Selbst wenn ich noch mal in Wellen geraten sollte, ist das, was ich jetzt fühle, jede einzelne Welle Wert gewesen. Es hat sich gelohnt dafür zu kämpfen, ich bereue nichts. Ich werde diese Jahr 50 Jahre alt und habe hoffentlich noch lange Zeit das Leben als freier Mensch zu genießen.

Nächsten Monat bin ich 2 Jahre auf null. Wenn der aktuelle Trend weiterhin so anhält, habe ich vermutlich den Entzug dank Eurer Unterstützung überstanden.

Ich wünsche Euch alles Gute! Passt auf Euch auf! :thx:
Euer Chris
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Re: Erfahrungsbericht Chris: "Meine Reise zum alten Ich" (Escitalopram und Mirtazapin abgesetzt)

Ein weiteres Update von Chris:

Update: 2 Jahre und 3 Monate nach Null

Heute sind 2 Jahre und 3 Monate seit meiner Null erreicht, und ich kann mit großer Dankbarkeit sagen:

Mir geht es richtig gut.


Die Wellen gehören der Vergangenheit an. Die körperlichen Beschwerden und Schmerzen, die mich über viele Jahre begleitet haben, sind verschwunden. Mein Nervensystem arbeitet wieder zuverlässig und reguliert sich selbst.

Was früher viel Raum in meinem Leben eingenommen hat, spielt heute kaum noch eine Rolle. Ich beschäftige mich nicht mehr mit Symptomen oder Entzug, sondern mit den schönen Dingen des Lebens.

Ich genieße die Zeit mit meiner Familie, freue mich über Bewegung, Sport und die vielen kleinen Momente des Alltags. Das Leben fühlt sich wieder leicht und selbstverständlich an.

Natürlich gibt es wie bei jedem Menschen gute und weniger gute Tage. Der entscheidende Unterschied ist jedoch: Diese Tage haben nichts mehr mit Entzug oder Wellen zu tun. Sie gehören einfach zum normalen Leben.

Die Zeichen stehen auf Grün.

Sowohl im Hinblick auf den Entzug als auch in meinem privaten Umfeld sieht alles sehr gut aus. Es ist eine große Erleichterung zu erleben, dass sich die Dinge in die richtige Richtung entwickelt haben und wieder Ruhe, Stabilität und Zuversicht eingekehrt sind.


Ein weiterer Punkt ist mir in den letzten Monaten bewusst geworden:

Ich kann die Wellen und ihre Intensität mittlerweile nicht mehr wirklich fühlen oder nachempfinden. Natürlich weiß ich noch, was ich alles durchgemacht habe, und ich erinnere mich an die schwierigen Jahre. Aber ich kann nicht mehr spüren, wie schlimm es sich damals angefühlt hat.

Die Angst, die Verzweiflung, die körperlichen Symptome und die endlos wirkenden Wellen sind für mich heute nur noch Erinnerungen. Das tatsächliche Gefühl dahinter ist verschwunden.

Manchmal denke ich, dass dies vielleicht ein Selbstschutz unseres Gehirns ist. So wie viele Menschen belastende Lebensphasen im Nachhinein nicht mehr in ihrer ganzen Intensität nachfühlen können, scheint auch das Nervensystem irgendwann einen Schlussstrich zu ziehen und nach vorne zu schauen.

Darüber bin ich sehr dankbar. Denn heute bestimmt nicht mehr der Entzug mein Leben, sondern das Leben selbst.



Ich bin vollständig genesen.

Nach all den Jahren des Kämpfens, Hoffens, Zweifelns und Durchhaltens ist ein Punkt erreicht, an dem der Entzug keine Rolle mehr spielt. Die Heilung ist Realität geworden.

Wenn ich auf meinen Weg zurückblicke, erfüllt mich vor allem Dankbarkeit. Dankbarkeit für meine Familie, für die Menschen, die mich begleitet haben, und für die Community, die mir in den schwierigsten Zeiten Orientierung und Hoffnung gegeben hat.

Vor allem aber freue ich mich über jeden neuen Tag.

Nach der langen Reise zurück ins Leben ist das vielleicht das schönste Gefühl von allen.

Zum Abschluss möchte ich allen, die noch kämpfen, etwas mitgeben:

Gebt nicht auf.

Auch wenn es sich manchmal aussichtslos anfühlt, auch wenn die Wellen kein Ende zu nehmen scheinen und ihr euch nicht vorstellen könnt, jemals wieder gesund zu werden: Heilung ist möglich.

Ich weiß heute, dass ich damals vieles nicht glauben konnte, was mir andere Genesene geschrieben haben. Und doch hatten sie recht.

Deshalb möchte ich den Staffelstab nun weitergeben:

Ich wünsche jedem Einzelnen von euch von Herzen alles Gute.

Bleibt geduldig, bleibt hoffnungsvoll und vertraut eurem Körper.

Ihr schafft das!

Euer
Chris 🫶
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