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Umgang mit häufig auftretenden Entzugssymptomen

Hinweise, Anregungen und Erklärungsmodelle zum besseren Umgang mit dem Entzug
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Team PsyAb
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Umgang mit häufig auftretenden Entzugssymptomen

Nachfolgend einige Erklärungsmodelle und Erfahrungen, was bei spezifischen Entzugssymptomen, die häufig auftreten, hilfreich sein kann:

Augenprobleme/Sehstörungen im Entzug
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Augenprobleme und Sehstörungen können sowohl als Nebenwirkung von Psychopharmaka als auch als Entzugssymptome auftreten. Als Entzugssymptom können sie auch nach 0 noch längere Zeit anhalten. Entzugsbedingte Augen/Sehprobleme sind jedoch i.d.R. reversibel.

Wichtig: Neu aufgetretene Augen/Sehprobleme sicherheitshalber immer ärztlich abklären lassen!

Berichtet werden u.a. folgende Entzugssymptome:
  • trockene, brennende, gereizte, tränende Augen
  • Schleier vor den Augen
  • Flimmern vor den Augen, Hitzeflimmern
  • "Rieseln" vor den Augen bei hellen/dunklen Hintergründen
  • Unscharfes Sehen
  • Schwierigkeiten Konturen und Unebenheiten zu erkennen
  • Sehen, als ob man betrunken wäre
  • Floaters/Mouches Volantes vor den Augen
  • "Augenrauschen" (visual snow syndrome)
  • Schwankende Sehstärke
  • Akkommodationsprobleme (Schwierigkeiten zu fokussieren)
  • Benommenheit bei künstlichem Licht (z.B. Supermarkt)
  • Starke Kontraste (Muster z.B. mit Streifen) erzeugen Schwindelgefühle
  • Augendruck
  • Augenschmerzen
  • Müde, erschöpfte Augen
  • Erhöhte Photosensitivität (Lichtempfindlichkeit)
  • Augenmigräne
  • Doppelbilder
  • Lichtpunkte/Blitze
  • optische Täuschungen
  • Augenschwindel (Schwindel, der bei Augenbewegungen auftritt)

Mögliche Ursachen sind:
  • Wahrnehmungsstörungen durch die Veränderungen der Rezeptoren/Reizweiterleitung/Reizverarbeitung im Gehirn/Zentralnervensystem durch Psychopharmaka.
    Die von den Sinneszellen im Auge aufgenommenen Impulse werden über feine Nerven und dann über den Sehnerv an das Gehirn weitergeleitet. Im Gehirn wird daraus das Bild, das wir sehen, zusammengesetzt. Sowohl Psychopharmaka als auch der Entzug greifen in dieses sensible System ein und es kann als Folge zu Sehstörungen kommen.
  • Serotonin
    In den Augen (Linse) sitzen viele Serotoninrezeptoren. Serotonin ist im Auge an der Regulierung des Augeninnendrucks beteiligt. Als mögliche Mechanismen kommen eine Steuerung der Kammerwasserproduktion im Auge und eine Öffnung oder Schließung des Pupillenverengermuskels in Frage (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Serotonin#Auge)
    Wenn diese Serotoninrezeptoren durch die Einnahme eines serotonergen Psychopharmaka, bzw. dem Ausschleichen oder dem Nachentzugszustand verändert werden, kann das zu Sehstörungen führen.
  • Veränderter Muskeltonus:
    Die Linse im Auge wird zum Fokussieren über Muskeln scharf gestellt. Psychopharmaka verändern häufig die Muskelspannung. Dies kann zu Problemen beim Fokussieren und bei der Sehstärke führen, insbesondere bei Dosisveränderungen.
  • Anticholinerge Nebenwirkungen:
    Diese Nebenwirkungen werden durch die Hemmung des Neurotransmitters Acetylcholin verursacht. Auch die Augen sind davon betroffen, es kann zu Sehstörungen und trockenen Augen kommen. Psychopharmaka mit einer starken anticholinergen Belastung sind die meisten Trizyklischen Antidepressiva sowie einige Neuroleptika. Aber auch SSRI/SNRI können in unterschiedlichem Ausmaß eine Wirkung auf die Acetylcholinrezeptoren haben.
    Die Symptome können als Nebenwirkung auftreten, aber auch erstmalig oder verstärkt als Absetzsymptom.
  • Histaminunverträglichkeit:
    Im Entzug von Psychopharmaka tritt häufig eine Histaminunverträglichkeit auf. Diese kann sich auch auf die Augen auswirken. Mögliche Symptome einer Histaminunverträglichkeit sind z.B. Wasseransamm­lungen, Schwel­lungen der Augen­lider, Entzündung der Binde­haut des Auges, Augen­entzün­dung.

Tipps:
Je nach Ursache können verschiedene Dinge hilfreich sein:
  • Generell: augenschonendes Verhalten, keine Überlastung durch z.B. zu viel Bildschirmarbeit
  • Bei entzündeten, gereizten Augen:
    Warme Schwarzteebeutel für ca. 10 Minuten auf die Augen legen oder ein zuvor in Augentrosttee eingelegtes feuchtes, warmes Läppchen
  • Bei trockenen Augen:
    Befeuchtende Augentropfen (mit Hyaluronsäure) Tropfen ohne Konservierungsstoffe verwenden, da diese auf Dauer die Hornhaut schädigen können - z.B. Einzel-Phiolen ("EDO") verwenden, auch Augengel ist ohne Konservierungsstoffe erhältlich
  • Bei Lichtempfindlichkeit:
    Sonnenbrille, bei hellem Licht möglichst nicht nach draußen gehen, Zimmer abdunkeln
  • Bei Verdacht auf eine Histaminunverträglichkeit:
    Histaminarme Ernährung versuchen
  • Entspannende Augenübungen:
    - Palmieren: Die Handflächen aneinanderreiben bis sie warm sind und sie dann auf die geschlossenen Augen legen. Es sollte kein Licht durchdringen. Die Hände 20 bis 30 Sekunden liegen lassen.
    - Die Augen und Augenhöhlen bei geöffneten Augen mit den Händen abdecken. Dabei öffnen sich die Pupillen und die Augenmuskeln entspannen.
  • Dehnung von Schulter und Nacken, zur Entspannung der häufig sehr angespannten Schulter/Nackenmuskulatur Muskulatur
  • Aufgrund der schwankenden Sehstärken empfiehlt es sich während des Entzugs keine maßgebliche Änderungen an Brille und Co vorzunehmen, sofern sie nicht wirklich akut notwendig sind.
Hier gehts zum Erfahrungsaustausch zum Thema

Erschöpfung im Entzug
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Erschöpfung kann sowohl als Nebenwirkung von Psychopharmaka als auch als Entzugssymptom auftreten. Entzugsbedingte Erschöpfung kann sehr schwerwiegend und beeinträchtigend sein. Sie kann von der Symptomatik her CFS (Chronisches Fatigue Syndrom) ähneln und auch nach dem kompletten Absetzen noch längere Zeit anhalten.

Wichtig: Anhaltende oder massive Erschöpfung sicherheitshalber immer ärztlich abklären lassen! Sinnvoll ist beispielsweise eine Blutuntersuchung auf Mängel (wie Eisen, Hämoglobin, Vitamin D, B Vitamine) sowie die Schilddrüsenwerte.


Mögliche Ursachen (Erklärungsmodelle) sind:
  • Anpassungsleistungen des Zentralnervensystems:
    Schon im "Normalzustand" benötigt das Gehirn ein Großteil der dem Körper zur Verfügung stehenden Energie (ca 80 %). Im Entzug muss das Gehirn/Zentralnervensystem zusätzlich die durch die Psychopharmaka bewirkten Veränderungen ( z.B. an den Rezeptoren) schrittweise rückgängig machen. Dies ist eine enorme Kraftanstrengung für das Gehirn und den gesamten Organismus, da sehr viele Körpersysteme davon betroffen sind.
    Für andere Aktivitäten steht dann kaum noch Energie zur Verfügung.
  • Ungleichgewicht im Vegetativen Nervensystem:
    Im Entzug kann es zu einem Ungleichgewicht zwischen dem aktivierenden Sympathikus und dem beruhigenden Parasympathikus kommen. Durch eine übermäßige Aktivierung des Sympathikus kann es zu einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen (z.B. Cortisol und Adrenalin) kommen, sowie zu einer verstärkten Auslösung des "Kampf oder Flucht" Modus.
    Dies benötigt viel Kraftreserven des Organismus und es kann auch zu einer Erschöpfung der Nebennierenrinde kommen. Die Folge kann eine Erschöpfungs-/Übermüdungsphase sein.

    Phasen der Erschöpfung können sich abwechseln mit Phasen der Übererregtheit, oder sie können durchgehendend bestehen
  • Unterschiedliche Rezeptoren/Botenstofftransporter-Belegung bei verschiedenen Dosierungen:
    Bei einigen Psychopharmaka werden bei unterschiedlichen Dosishöhen Rezeptoren/Botenstofftransporter unterschiedlich belegt. Dadurch wirken manche in höherer Dosierung anregend oder "antipsychotisch", in niedriger Dosierung sedierend, schlafanstoßend. Kommt man beim Reduzieren in den stärker sedierenden Bereich, kann das zu verstärkter Müdigkeit führen
  • Künstlich erzeugter chronischer Serotoninüberschuss:
    Einer Theorie zur Folge kann das künstliche Hochhalten des Serotoninspiegels im Organismus, z.B. durch Einnahme von Antidepressiva, zum Abschalten der Nervenleitungen und den damit einhergehenden Symptome zentraler Erschöpfung führen. Siehe: http://www.spektrum.de/news/zentrale-no ... ln/1186003
  • Rebound Effekt:
    Anregende/aufputschende Psychopharmaka können dazu führen, dass man während der Einnahme scheinbar mehr Energie zur Verfügung hat. Sie lösen jedoch nicht die Ursache für den Energiemangel, sondern "pushen" nur. Dies kann eine bereits bestehende Erschöpfung weiter verstärken, bzw. eine Erschöpfung erst auslösen. Zu Tage tritt dies oft erst beim Reduzieren als Rebound Effekt.

Tipps:
  • Stress vermeiden und das Nervensystem zur Ruhe kommen zu lassen
  • Ruhe, Entspannung, Meditation, Akzeptanz etc.
  • Leichte Bewegung vorzugsweise an der frischen Luft
  • Gesunde, vitalstoffreiche Ernährung und ausreichend trinken
  • Pacing, das heißt angemessene Belastung bei Vermeidung von Überforderung
  • Eventuell Nahrungsergänzungsmittel
Hier gehts zum Erfahrungsaustausch zum Thema

Gereiztheit, Ärger und Wut im Entzug
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Entzugsbedingt kann es zu Gereiztheit, Ärger, Wut etc. kommen. Dabei handelt es sich zumeist um sogenannte "Neuroemotionen" bzw. "Neurowut".
"Neuroemotionen" fühlen sich oft künstlich, als nicht zu einem gehörend, sich aufdrängend, körperlich an. Sie können völlig grundlos auftreten ohne einen Realitätsbezug, ohne äußeren Anlass, auch in Situationen, in denen man sich eigentlich wohl fühlt. Sie entstehen "im Kopf".

Der Verstand versucht diese anlasslos entstandene Wut einem äußeren Ereignis zuzuordnen. Die Wut kann beispielsweise auf eine harmlose Unterhaltung projektiert werden. Es kann dazu kommen, dass aus einer Kleinigkeit heraus ein Streit angefangen wird.

Möglich ist auch, dass es einen äußeren Auslöser gibt, auf den man normalerweise etwas gereizt reagieren würde. Als "Neuroemotion" kommt es dann zu einer der Situation unangemessenen, starken, als unkontrollierbar wahrgenommenen Emotion.

Diese Zustände können sehr belastend und so ausgeprägt sein, dass sie sogar Freundschaften oder eine Partnerschaft gefährden.


Mögliche Ursachen/Erklärungsmodelle:
  • Entzugsbedingte Störung des Gleichgewichts zwischen Sympathikus und Parasympathikus:
    Diese zwei sind natürliche Gegenspieler im vegetativen Nervensystem, deren Zusammenspiel fein austariert wird. Der Sympathikus ist für die Aktivierung zuständig, der Parasympathikus für die Beruhigung. Wird der Sympathikus zu stark aktiviert, kann sich das in verstärkter Anspannung, schnellerer Reizbarkeit etc. äußern. Dabei spielen verschiedene Botenstoffe eine Rolle, wie z.B. Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol.
  • Verstärkte Auslösung des "Kampf oder Flucht" Modus:
    Auch diese Theorie bezieht sich auf eine Störung des Gleichgewichts im vegetativen Nervensystem. Hier wird vermutet, dass das Glutamatsystem übermäßig aktiviert wird und es dadurch zu einer Enthemmung des „Flucht oder Kampf“-Zentrum im Locus caeruleus kommt. Die übermäßige Aktivierung des "Kampfmodus "könnte eine Rolle bei der "Neurowut" spielen.
  • eingeschränkte Reizverarbeitungskapazität des durch den Entzug belasteten Zentralnervensystems:
    Ein überreiztes Nervensystem hat Schwierigkeiten, die auf es einströmende Reize zu verarbeiten. Es kann zu einer Überforderung durch Reizüberflutung kommen, was die Entstehung von Ärger begünstigen oder auslösen kann.

Informative Texte:

"Neuro-Emotionen" im Entzug
James Heaney: Umgang mit der Wut während des SSRI Entzugs - ADFD. org



Tipps:
  • Erkenne den Ärger als Neuroemotion
  • Überzeuge dich selbst, dass es kein echte Emotion ist
  • Handle nicht aus dem Ärger heraus
  • Sage oder tue keine Dinge, die du später bereuen wirst
  • Triff keine Entscheidungen in einem solchen Zustand
  • Halte den Ärger aus und warte bis er von selbst abklingt
  • Du kannst versuchen die Energie in Bewegung oder eine andere Aktivität umzulenken
  • Entspannende Aktivitäten, wie ein z.B. ein Bad, können helfen
  • Sei in einem solchen Zustand sehr achtsam, fahre besser kein Auto und vermeide Reize.
  • Erkläre dir nahestehenden Personen, was "Neuroemotion" bedeutet und dass es nichts mit ihnen oder euere Beziehung zu tun hat.
  • Diskutiere in einem solchen Zustand Themen besser nicht aus, ziehe dich möglichst zurück und kläre die Angelegenheit später.
  • Sei geduldig und mitfühlend mit dir selbst, mache dir keine Vorwürfe oder Schuldgefühle. Diese Neuroemotionen sind nicht deine Schuld.
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Grübelzwang und Zwangsgedanken im Entzug
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Ständiges zwanghaftes Grübeln, Gedankenkreisen, sich aufdrängende Gedanken, Angstgedanken, Katastrophendenken, Zwangsgedanken/Vorstellungen können sehr quälend sein.
Sie können entzugsbedingt aufgrund der Funktionsstörung des Zentralnervensystems erstmalig auftreten, oder als Reboundsymptom, wenn man diese Symptome schon vor der Medikation hatte.

Sollten Zwangsvorstellung zur Selbstverletzung oder Suizid auftreten, dann hole dir bitte unbedingt reale Hilfe in deiner Umgebung. Hier findest du unter anderem eine Liste mit Anlaufstellen bei Suizidplänen: viewtopic.php?f=20&t=31


Tipps:

Ablenkung:
  • in die körperliche Aktivität gehen (z.B. moderates Putzen, Aufräumen, Sortieren)
  • Tätigkeiten, die Konzentration erfordern (z.B. Sudoku lösen)
  • ein warmes Fußbad oder eine Fußmassage, das zieht die Aufmerksamkeit vom Kopf weg in die Füße
Achtsamkeit:
  • Wenn ein Gedanke kommt, ihn wahrnehmen ("Ah, da ist wieder der Gedanke x oder das Gefühl y") und ziehen lassen. Nicht ärgern, nicht bewerten, sich nicht hinein verstricken.
  • Bei Zukunftsängsten bewusst den Augenblick, das JETZT wahrnehmen
  • Neutraler Beobachter: Stell Dir vor, Du bist ein neutraler Beobachter, der von außen registriert, wie Du Dich fühlst. Benenne, was du wahrnimmst ohne dich damit zu identifizieren: "Da ist Angst" und nicht "Ich habe Angst"
  • Sage dir: Stopp! Jetzt ist gut, jetzt bin ich wieder im Hier und Jetzt. Nehme bewußt wahr, was du gerade tust, benenne es ggfs. auch laut.
    Lenke deine Aufmerksamkeit auf andere Dinge, z.B. eine Pflanze, ein Haustier, Naturgeräusche
    Erinnere dich daran, was du an Positivem im Leben hast und konzentriere dich darauf.
Imagination:
  • Den Zwangsgedanken mit einem Bild verknüpfen, z.B. den Gedanke in eine Wolke verwandeln, die vorüberzieht oder du übergibst ihn einem Fluss und er wird weitergetragen
Mentale Techniken:
  • Den Gedanken keinen Glauben, schenken es sind nur Gedanken, die kommen und gehen, sie haben keine Wirklichkeit
  • Ein Selbstgespräch mit den Gedanken führen - sobald die Zwangsgedanken kommen, stelle ihnen sofort die realen Tatsachen gegenüber. Beispiel: Die Gedanken sagen dir aufgrund der Bauchschmerzen, dass du wohl einen schlimmen Tumor hast und dringend zum Arzt musst. Dann kannst du den Gedanken sofort sagen: "Ich habe meinen Bauch untersuchen lassen und es gab keinen Befund. Liebe Angst, du kannst kommen, aber du bist unnötig."
  • Zettelmethode: Die Sorgen und Ängste aufschreiben und dazu schreiben, ob du etwas gegen das Problem machen kannst und falls ja, was du tun kannst
  • Eine Minute Methode: Du lässt Gedanken zunächst zu. Dann schaust du auf die Uhr und sagst dir selbst: "Ich werde jetzt genau eine Minute über diesen Gedanken nachdenken. Dann habe ich ihm die Aufmerksamkeit geschenkt, die er gerade will. Danach gehe ich in einen anderen Raum und trinke ein Glas Wasser, etc. Überlege dir etwas, was du aktiv tun kannst. Stehe nach der Minute dann wirklich auf, wechsle den Raum und tue, was du dir vorgenommen hast. Konzentriere dich dabei auf das, was du tust. Denke nicht weiter nach, der Gedanke hatte seinen Raum, jetzt ist etwas anderes dran.
  • Zwangsgedanken nicht unterdrücken, sonst werden sie umso stärker
    - Lass sie zu, beobachte sie ohne sie zu bewerten
    - Begrüße sie, sage "Ach du schon wieder"
    - Habe keine Angst vor ihnen, sie können dir nichts tun
    - Mache Wortspiele mit ihnen (wenn z.B. ein Gedanke kommt wie "hauen" mach "bauen" daraus)
    - Wenn ein Zwangsgedanke kommt: fordere mehr! sage dir : "noch einen , aber dalli!"
    --> so verlieren sie den Schrecken und die Macht über dich und werden letztendlich schwächer und verschwinden
  • bei Katastrophendenken, monoton vor sich hin sagen: Das ist der Entzug, es wird dir nichts passieren

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Histaminintoleranz (HIT) im Entzug
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die Erfahrung hat gezeigt, dass viele Menschen, die Psychopharmaka absetzen oder sich noch im Entzug befinden, häufig Histamin nicht gut zu vertragen.
Manche scheinen während dem Absetzen und dem Entzug an einer Art (oft vorübergehender) "Histamin-Intoleranz" (HIT) zu leiden.


HIT und Entzug

Die konkrete Auswirkung von Psychopharmaka auf das gesamte Botenstoffsystem im Zentralnervensystem ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend erforscht. Eingriffe in dieses hochsensible System mittels Einnahme von Psychopharmaka und auch deren Entzug können daher vielfältige Auswirkungen haben.

Eine Theorie zur Erklärung des vermehrten Auftretens einer HIT im Entzug:
Viele Psychopharmaka beeinflussen das histaminerge System. Sie blockieren in unterschiedlichem Ausmaß direkt oder indirekt die Histamin-Rezeptoren im Nervensystem und wirken daher gewissermaßen wie Antihistaminika. Vermutlich kann es daher beim Reduzieren/Absetzen dieser Psychopharmaka als eine Art "Rebound-Effekt" zu einer (oft vorübergehenden) HIT kommen. Da die Histamin-Rezeptoren von den Psychopharmaka nicht länger blockiert werden, reagiert das Nervensystem quasi mit einer "Überempfindlichkeit" auf Histamin.

Besonders häufig oder stärker ausgeprägt scheint diese Histamin-Unverträglichkeit bei jenen Psychopharmaka aufzutreten, die Histamin-Rezeptoren verstärkt blockieren oder das Histamin abbauende Enzym Diaminoxidase (DAO) hemmen. Dies ist z.B. beim Antidepressivum Mirtazapin sowie bei Trizyklischen Antidepressiva (TZA), wie beispielsweise Amitriptylin, der Fall. Auch einige Neuroleptika, wie beispielsweise Promethazin, Quetiapin oder Olanzapin, blockieren Histamin-Rezeptoren und können daher eine Überempfindlichkeit auf Histamin während des Absetzens bzw. dem Entzug bewirken.


Symptome und Diagnose

Die Symptome einer HIT können sehr vielfältig sein: Es können Probleme in der Verdauung, Hautreizungen, Herz-Kreislauf-Probleme, Beschwerden des Hormonsystems und viele weitere Symptome auftauchen, die mit einer Histaminunverträglichkeit in Zusammenhang gebracht werden.

Leider lässt sich eine HIT nur unzureichend über diverse Tests feststellen. Außerdem gibt es auch Berichte von Betroffenen, dass die Ergebnisse solcher Tests während einer Symptomwelle ganz anders ausfallen, als während einem Fenster (während dem es den Betroffenen deutlich besser geht).

Um festzustellen, ob man eventuell an den Symptomen einer (vorübergehenden) HIT leidet, ist eine Auslassdiät am geeignetsten.
Dabei isst man über einen bestimmten Zeitraum (dieser sollte nicht zu kurz gewählt sein, damit man die Auswirkungen auch wirklich verlässlich einschätzen kann) nur histaminfreie (oder histaminarme) Lebensmittel.
Gehen die Beschwerden unter dieser histaminfreien Diät deutlich zurück, kann man einen Zusammenhang zwischen Histamin und den Symptomen herstellen.

Hier findet man eine umfassende Liste von mastzellenaktivierung.info an Lebensmitteln, die in bestimmte Kategorien der Verträglichkeit eingeteilt sind. Diese Liste ist zur Orientierung sehr hilfreich.
Hier eine umfassende Symptomliste einer HIT: Symptomliste von Pures Geniessen.


Umgang mit einer HIT

Meist kann man nach einer Phase der strikten Abstinenz von histaminhaltigen Lebensmitteln vorsichtig beginnen, einzelne Lebensmittel anzutesten und zu überprüfen, wie man sie verträgt. So kann man die Bandbreite an verträglichen Lebensmitteln nach und nach langsam ausweiten. Die Verträglichkeit von einzelnen Lebensmitteln ist individuell sehr unterschiedlich. So muss man Schritt für Schritt selbst herausfinden, was einem bekommt und was nicht. Die Verträglichkeit kann im Laufe des Entzugs auch schwanken - viele Betroffene reagieren während einer Symptomwelle auch sensibler auf Histamin. Umgekehrt wirkt Histamin bei vielen Betroffenen auch als eine Art "Symptomtrigger" und kann Absetzsymptome verstärken.

Viele Betroffene haben auch die Erfahrung gemacht, dass sie histaminhaltige Lebensmittel besser vertragen, wenn sie vorher einige Zeit Histamin gemieden haben. Die "Speicher" des Histamins sind dann quasi nicht so voll und das Histamin wird wieder besser vertragen.

Auch Stress kann eine Auswirkung auf die Verträglichkeit von Histamin haben. Dies sollte man auch immer berücksichtigen. Allerdings ist die Ernährung wohl häufig ein einfacherer "Ansatzpunkt" um das Histamin im Körper zu senken, da Stress sich nicht immer wirksam vermeiden lässt.

Hier gehts zum Erfahrungsaustausch zu dem Thema

Magen-Darm-Beschwerden im Entzug
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Magen/Darmbeschwerden sind im Entzug sehr häufig. Mögliche Symptome sind u.a. Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Magen-/ Darmschmerzen, Blähungen, Druck im Bauch, Reizmagen/darm, Durchfall, Verstopfung.
Anhaltende oder schwere Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden.

mögliche Ursachen:
  • Serotonin: Ein Großteil des Serotonins wird im menschlichen Körper im Darm gebildet (ca. 90 %) und es befinden sich im Darm viele Serotoninrezeptoren. Serotonin spielt zusammen mit aktivierenden und hemmenden Nervenzellen eine wichtige Rolle bei der Darmperistaltik. Zudem ist Serotonin an der Signalweiterleitung von Beschwerden und Schmerzen aus dem Magen-Darm-Trakt in Richtung Gehirn beteiligt. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Serotonin ... arm-System
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Entzugsbedingt kann es zu vorübergehenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie z.B. einer Histaminunverträglichkeit kommen.
  • Forschung auf dem Bereich der "Neurogastroenterologie" konnte aufzeigen, dass unser Darm eine Art eigenes Nervensystem besitzt - siehe dazu auch: https://www.darmflora-ratgeber.de/bauchhirn.html
    Wenn durch Medikamente in das Nervensystem eingegriffen wird, wäre es vorstellbar, dass sich das auch auf das Nervensystem des Darms auswirkt.

Tipps:

Ernährung:

  • Nur kleine Portionen essen. Lieber öfters als große Mengen
  • Schauen, was man gut verträgt und was nicht und entsprechend bevorzugen bzw. meiden
  • Leicht Verdauliches essen; Rohkost, schwere Vollkornprodukte nur ab und an, Blähendes (Kohl, Hülsenfrüchte) meiden
  • Indische Gewürze einbauen (Kreuzkümmel, Kurkuma, Kardamom, Nelken, Zimt, Ingwer, Koriander, Anis..); sie wirken mild verdauungsfördernd
  • bei Reizdarm täglich Haferflocken essen, die mindestens ein paar Stunden, besser über Nacht in Milch einweicht wurden. Das ganze dann leicht erwärmen und schon zum Frühstück essen, oder aber auch mal als Suppe zum Mittagsessen (da aber in Wasser eingeweicht).
  • Täglich (selbstgemachten) Kefir trinken (mit einer Kefirknolle täglich frischen Kefir ansetzen)
  • Maronibrei von Hildegard von Bingen - gibt es als fertige Mischung zu kaufen.
  • Konsequent Süßstoffe, Zuckeraustauschstoffe und Geschmacksverstärker meiden

Kräuter/Tees:
  • gegen Blähungen Fenchel-Anis-Kümmel-Tee trinken
  • Käsepappel- / Malventee bei Magen- und / oder Darmschmerzen
  • morgens schluckweise heißes Wasser trinken (altes indisches ayurvedisches Rezept); bringt Kreislauf und Verdauung in Schwung
  • Magen / Verdauungstees aus Drogerien/ Apotheken, z.B. Passionsblumenblüte oder Melissetee (beruhigt den Magen)
  • Eine frisch gemahlene Mischung von Anis, Kümmel, Fenchel in ein Glas Kefir rühren, ca. 1 Teelöffel voll auf ein Glas.
  • "Rollkur": Immer einen Schluck von einem warmen Tee (z.B. Kamillentee oder Eibischwurzel) trinken und danach auf den Rücken legen und einmal "herumrollen" dadurch wird die gesamte Magenschleimhaut mit dem wohltuenden Tee benetzt.
    Oder einen Kamillenteesud - 2 Beutel hochwertigen Kamillentee mit ca. 60ml ( halbe kleine Tasse) kochendem Wasser übergiessen, 10 - 15 min ziehen lassen - am besten nüchtern oder auf leeren Magen trinken und dich jeweils ca eine bis fünf Minute auf die linke Seite, Bauch, Rücken, rechten Seite legen.
    Du kannst für diese Rollkur auch vorher Haferflocken in Kamillentee einweichen und so einen Kamillenhaferschleim machen.

Wärme, Massagen, Wickel, Aromaöle:
  • So oft es geht hinlegen und eine warme Wärmflasche auf den Bauch legen
  • Wickel: Ein Tuch mit warmen Wasser und ein paar Tropfen Muskatellersalbei Aromaöl (Hilfreich sind auch röm. Kamille, Lavendel und Fenchelöl) auf den Magenbereich legen, zudecken und ca. 30-60 Minuten liegen lassen
  • Massage:1 Esslöffel Trägeröl (Olivenöl, Mandelöl, etc.) mit 5 Tropfen Muskatellersalbei mischen und im Magenbereich mit leichten, kreisenden Bewegungen einmassieren.
  • 1 Tropfen Muskatellersalbei Öl auf ein Stück Zucker oder einen Teelöffel Honig geben und einnehmen, hat entkrampfende Wirkung
  • Ein Wärmepflaster auf dem Bauch kleben (Achtung, keine Wärmepflaster mit hautreizenden Chili-Extrakten!) - es gibt eigene Wärmepflaster gegen Menstruationsbeschwerden, die auch gut bei allen anderen Bauchbeschwerden eingesetzt werden können. Das ist eine gute Alternative zur Wärmeflasche, wenn man nicht liegen kann, sondern unterwegs / aktiv ist.

Pflanzliche / Homöopathische Präparate:
  • Baldrian- und / oder Passionsblumentropfen oder Kapseln
  • Kokosöl (kalt gepresstes, natives und hochwertig), zunächst jeden Morgen einen Esslöffel pur, bei Verträglichkeit bis zu vier bis fünf Esslöffel täglich.
  • bei Durchfall, Reizdarm, Blähungen: Flohsamen/Flohsamenschalen (unbedingt ein bis zwei Stunden Abstand zu einer Medikamenteneinnahme einhalten)
    Bei Flohsamen zu einem Kaffeelöffel Flohsamen immer mindestens ein Glas Wasser, sonst droht Darmverschluss.
  • bei Reizmagen Ulmenrinde (slippery elm bark), gibt es sowohl als Kapseln als auch als Rinde zum Aufbrühen, bzw. quellen lassen. Ulmenrinde hat sehr viel Schleim, dieser legt sich als schützender Film an die Magenwand
  • balsamischen Melissengeist (allerdings auf Alkoholbasis)
  • Ingweraufguss, Ingwerkapseln

Visualisation:
  • Magen und Solarplexus kann man oft nicht auseinanderhalten. Ggf. mal meditieren, um den Solarplexus zu harmonisieren, dabei Hände auf den Magenbereich auflegen und sich vorstellen, wie warme, goldgelbe Sonnenenergie den Magen und die Magennerven und den Solarplexus durchströmt und wärmt.
Hier gehts zum Erfahrungsaustausch zu diesem Thema

Muskelschmerzen im Entzug
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Viele Betroffene berichten von verstärkten Verspannungen und Muskelschmerzen im Entzug.

Wichtig: Neu auftretende Schmerzen sollten immer auch ärztlich (zB von einem Orthopäden) abgeklärt werden.

Mögliche Ursachen sind:
  • verkrampfte Körperhaltung:
    Aufgrund vielfältiger Entzugssymptome (zB Angst, Unruhe, etc.) verkrampfen sich mitunter Muskeln und Muskelgruppen, was zu chronischen Verspannungen führen kann.
  • "Rebound-Effekt" beim Absetzen von Psychopharmaka:
    Beim Absetzen von Psychopharmaka, die muskelentspannend wirken (insbesondere Benzodiazepine), kann es zu einer Art "Rebound-Effekt" kommen, was zu vermehrten Verspannungen führen kann.
  • Veränderung der Skelettmuskulatur durch Psychopharmaka:
    Manche Psychopharmaka greifen offensichtlich in Struktur, Funktion und Metabolismus der Skelettmuskulatur ein und verändern diese. Hier findest du einen wissenschaftlichen Artikel über Forschung zu diesem Thema.

Tipps:
Bitte alles immer vorsichtig testen, ob es Verbesserungen bewirkt oder sich gegenteilig auswirkt und die Schmerzen verstärkt.
Folgendes wird von Betroffenen als hilfreich berichtet:
  • Wärme (warme Bäder, Wärmepflaster, Wärmebalsam, Heizkissen, erwärmtes Körnerkissen, Tragen eines Schals, etc.)
  • Kälte (Coolpacks, Eiswürfel, kühlende Salben)
  • Infrarotwärme (Infrarotkabine oder Rotlichtlampe)
  • Massagen beim Heilmasseur
  • Heilgymnastik
  • Behandlungen beim Physiotherapeuten
  • Behandlungen nach dem Konzept der Pohltherapie
  • Osteopathische Behandlungen
  • (Selbst-) Behandlung mit einem TENS-Gerät
  • Übungen nach Liebscher-Bracht
  • Einnahme von Magnesium bzw. äußerliche Anwendung von Magnesium-Ölen bzw. -Bädern
  • sanfte Bewegung der verspannten Muskulatur
  • Entspannungstechniken, wie Meditation
  • Benutzung einer Yantramatte
  • sanfte Formen von Yoga (z.B. Yin-Yoga, Restorative Yoga, etc.) oder Qi Gong
  • Akupunktur und Akupressur
  • Behandlungen mit Faszienrollen und -bällen sowie Massagebällen
  • Sauna
  • Aromaöle
  • Homöopathie
  • Cranio-Sacral-Therapie
Hier gehts zum Erfahrungsaustausch zu diesem Thema.

Schlafprobleme im Entzug

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während dem Absetzen von Psychopharmaka und auch im Entzug leiden viele Betroffene an Schlafproblemen. Manche können schlecht einschlafen, andere wachen rasch wieder auf und liegen lange wach und besonders Geplagte kommen zu gar keinem Schlaf.

Mögliche Ursachen sind:
  • Rebound-Effekt: Benzodiazepine aber auch einige andere Psychopharmaka wirken beruhigend und in manchen Fällen auch schlaffördernd bis zu schlaferzwingend. Werden solche Psychopharmaka abgesetzt, treten als "Gegenreaktion" häufig Schlafstörungen ein
  • Dysbalance von Sympathikus und Parasympathikus: Entzugsbedingt kann es zu einem Ungleichgewicht zwischen dem beruhigenden und dem anregenden Teil des Nervensystems kommen.

    Schlafprobleme können - wie vieles - unterschiedlichste Ursachen haben. Bei Frauen können auch hormonelle Ursachen (Wechseljahre) eine Auswirkung haben. Oft zahlt es sich daher aus, auch andere potenzielle Ursachen abzuklären.

    Beim Umgang mit Schlafproblemen haben sich die unterschiedlichsten Dinge für Betroffene als hilfreich herausgestellt.


    Mögliche Symptomverstärker, die besser zu vermeiden sind:

    • Schlaf tagsüber
    • Sport und große körperliche Anstrengung (kann "auspowern", aber auch einen antriebsteigernden Effekt haben)
    • antriebsteigernde Nahrungsergänzungsmittel
    • Kaffee, belebender Tee, Cola, Energy Drinks und alles, was aufputschend wirkt
    • aufregende Filme, Computerspiele, Bücher vor dem Schlafengehen
    • Filme mit starken visuellen Effekten (zB stroboskopartiges Licht)
    • Benutzung von Mobiltelefon, Tablet, Computer etc. vor dem Schlafengehen
    • Geräusche während der Einschlafphase
    • bestimmte Lebensmittel, wie zB zuckerhaltige Lebensmittel
    • schweres Essen am Abend
    • Sonnenbaden, zu viel Sonne
    • Stress und emotionale Aufregung
    • bestimmte Behandlungen, wie zB mit einem TENS-Gerät
    • Alkohol
    • übermäßig viele Pflanzen im Schlafzimmer, da diese den Sauerstoff nachts verbrauchen
    • Unordnung im Schlafzimmer
    • sexuelle Aktivität vor dem Schlaf (vor allem bei Frauen kann das antriebssteigernd wirken)
    • große Mengen trinken (da man dann oft nachts aufwacht, weil man auf die Toilette muss)
    • wichtige Termine früh am Morgen (dadurch entsteht Druck möglichst früh einschlafen zu können)



    Hilfreiche Tipps, um besser ein- bzw. durchzuschlafen:
    • feste Zeitpunkte zum Aufstehen und Zubettgehen
    • nach dem Aufstehen und tagsüber sich im Tageslicht draußen aufhalten (so wird das vorhandene Melatonin nicht bereits tagsüber aufgebraucht)
    • Rituale vor dem Zubettgehen, wie eincremen mit einer Hautlotion, warmes Bad, etc.
    • Melatonin
    • bequemes Bett, Matratze und Bettwaren
    • Reduktion von Lichtquellen (verdunkelnde Vorhänge, Rollos)
    • angepasste Temperatur im Schlafzimmer (nicht zu kühl oder zu warm)
    • Blaulichtfilter/Nachtmodus mit reduzierter Beleuchtung auf Mobiltelefon, Tablet, Computer etc
    • Entspannungstechniken wie Atemübungen, Meditation (z.B. Bodyscan)
    • bei Grübeln: Diese Gedanken betrachten und loszulassen - wie ein Bündel Luftballons, der in den Himmel steigt.
    • entspannende Behandlungen, wie Reiki
    • Geräuschschutz (Ohropax)
    • Schlafmaske um Lichteinwirkung zu mindern
    • sanfte Hintergrundgeräusche, "weißes Rauschen"
    • leise Entspannungsmusik
    • unaufregende Hörbücher/Fernsehsendungen, wenn man vor allem wegen kreisender Gedanken nicht einschlafen kann
    • White Noise Maschine‘ - sie kann mehrere beruhigende Geräusche abspielen ( Waldgeräusche, Meer, Regengetröpfel, usw), die Dauer lässt sich einstellen
    • beruhigende Tees
    • Präparate mit Baldrian, Hopfen, Melisse, Passionsblume
    • langweilige/beruhigende Gedankenspiele (z.B. das Vorstellen von Objekten zu jedem Buchstaben, wie Apfel für A, Bus für B, Chamäleon für C, usw.)
    • paradoxe Autosuggestion (sich selbst vorsagen "ich schlafe heute nicht!" und die Augen versuchen bewusst offen zu halten)
    • homöopathische Mittel, wie z.B. "Neurexan", "Calmvalera", "Avena sativa"
    • Rescue-Tropfen
    • das Schlafzimmer ausschließlich zum Schlafen nutzen und nicht für andere Tätigkeiten
    • Gelassenheit und versuchen, sich nicht über den Schlafmangel zu ärgern oder zu sorgen
    Hier gehts zum Erfahrungsaustausch zu diesem Thema

Übelkeit und Erbrechen im Entzug

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Übelkeit ist sowohl eine häufige Nebenwirkung als auch ein Entzugssymptom. Anhaltende oder schwere Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden.

mögliche Ursachen/Erklärungsmodelle:
  • Neurotransmitter: Das Brechzentrum im Gehirn erhält seine Signale über den Vagus Nerv und wird vorwiegend über die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin aktiviert. Dopaminantagonisten ( z.B. Neuroleptika) und Serotoninantagonisten hemmen das Brechzentrum, was zu einer antiemetischen, also den Brechreiz lindernden Wirkung führt. https://de.wikipedia.org/wiki/Brechzentrum

    - Neuroleptika sind aufgrund der Blockade von Dopamin starke Antiemetika ( Mittel gegen Erbrechen), manche werden gegen Übelkeit bei Chemotherapie gegeben. Beim Absetzen kann es über eine Reboundwirkung zu Übelkeit kommen
    - Serotonin: Ein Überschuß an Serotonin kann Übelkeit und Erbrechen auslösen. Serotonin ist auch daran beteiligt, Signale aus dem Darm an das Brechzentrum im Gehirn weiterzuleiten.
    - Histamin: Ein Überschuß an Histamin/ eine Histaminunverträglichkeit kann zu Übelkeit und Erbrechen führen
    - Anticholinergika wirken ebenfalls auf das Brechzentrum. Antidepressiva (v.a. trizyklische), Neurolepeptika und Benzodiazepine haben anticholinerge Nebenwirkungen.
  • Entzugsbedingte Magen/Darmprobleme
  • Blockaden in der Halswirbelsäule (es gibt einen Zusammenhang zwischen Halswirbelsäule und Vagus Nerv)


Tipps:
  • Kleines Scheibchen rohen Ingwer gut und lange lange kauen - am besten ungeschält (zuvor gut reinigen:2 Schalen mit Essigwasser herrichten - 1 mit heißem Wasser, eine mit kaltem. Ingwer zuerst für ca. 30 Sekunden ins heiße Essigwasser legen. Danach ins kalte, und in diesem den Ingwer gut abreiben z.B. mit einer Gemüsebürste. Danach abspülen und gut abtrocknen.
  • beruhigende Tees,
    - wie Kamillentee, Ingwertee, Fencheltee,
    - Wermuttee (eine Prise nur 3 Sekunden durch einen Teesieb ziehen lassen; sonst zu bitter, durch den Tag verteilt trinken)
    - spezielle Teemischung : Pro Tasse je 1 TL Scharfgarbe, Löwenzahn und Melisse. Kriegt man alles in der Apotheke getrocknet zu kaufen. 10 Minuten ziehen lassen. 1-2 Tassen am Tag trinken
    - frischer Ingwertee: 1 Scheibe Ingwer mit heißem Wasser und mind. 10 Minuten ziehen lassen
  • frische Basilikumblättchen kauen (2 -3 Blättchen)
  • Schwedenbitter einnehmen , wegen dem Alkoholgehalt besteht Triggergefahr.
  • Heilerde: 1/2 Std. vor dem Essen (und mit Abstand zu 2 Std. zu Medis) 1TL in einer Tasse lauwarm. Wasser auflösen und trinken.
  • ätherische Öle:
    - äth. Ölmischung mit Limette, Grapefruit und Minze - immer wieder auf die Pulsstelle aufgetragen und schnuppern und ein paar Tropfen auf die Magengegend massieren.
    - 1-2 Tropfen jap. Minzöl in einem Schluck Wasser oder auf einen Würfelzucker
  • Akupressurarmband (Seaband)
  • homöopathisches Arzneimittel: Payagastron Tropfen, Arsenicum album, Vomitusheel, bei gleichzeitigem Schwindel Vertigoheel
  • bei Blockaden in der Halswirbelsäule:
    - die HWS vorsichtig, sanft dehnen : du stellst dir vor, dass dich jemand am Hinterkopf in die Höhe zieht - Kinn geht ganz leicht zur Brust und der Hinterkopf drückt sich nach oben. Du machst den Hals an der Hnterseite ganz lang.
    - nach allen Seiten grüßen: Kopf nach rechts drehen und wie zum Gruß nicken, dann nach vorne-Mitte grüßen, dann nach links drehen und nicken. Ein paar Mal wiederholen, alles ganz langsam und vorsichtig!
    - Mit der Nasenspitze eine kleine 8 zeichnen.


Achtung bei Mitteln gegen Übelkeit, wie "Reisetabletten" oder Vomex (Wirkstoff: Dimenhydrinat)! Diese wirken auf die Histaminrezeptoren und haben überdies eine sedierende Wirkung. Bei zu häufiger Einnahme kann es dabei auch zu einer Abhängigkeit kommen.
MCP Tropfen ( Metoclopra­mid, von der Wirkweise her ein niederpotentes Neuroleptikum) wirkt auf das Zentralnervensystem und wird im Entzug oft nicht gut vertragen bzw. kann Entzugssymtome verstärken. Der Gebrauch ist auf höchstens 5 Tage beschränkt.
Bitte auf Wechselwirkungen mit dem von dir eingenommenen Psychopharmaka prüfen.
Das pflanzliche Präparat Iberogast steht im Verdacht leberschädigend zu sein.


Erbrechen nach Medikamenteneinnahme:
Wenn innerhalb von 30min nach Einnahme Erbrechen auftritt, muss man davon ausgehen, dass der Wirkstoff nicht oder nur teilweise aufgenommen wurde. Je kürzer die Zeit ist zwischen Einnahme und Erbrechen, desto weniger wurde aufgenommen.
Bei Erbrechen 5 min nach dem Schlucken des Medikaments, kann man sich fast sicher sein, dass gar nichts aufgenommen wurde, so dass man die volle Dosis nachnehmen muss / kann. Bei Erbrechen nach 25 Minuten steht zu vermuten, dass der Körper bereits etwas aufnehmen konnte, allerdings weiß man dann nicht, wie viel.
Da könnte man vielleicht eine Teilmenge nachnehmen.

Bei ganz schweren Zuständen von Erbrechen ist eine Möglichkeit, das Mittel kontinuierlich über mehrere Stunden krümelchenweise einzunehmen bzw. die Krümel im Mund zu lassen und zu lutschen, so dass wenigstens etwas über die Mundschleimhaut aufgenommen werden kann. Dies geht natürlich nur, wenn das Medikament zerkleinert werden darf.


Hier gehts zum Erfahrungsaustausch zu diesem Thema

Unruhe, Angst und Panik im Entzug
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während dem Absetzen von Psychopharmaka und auch im Entzug leiden viele Betroffene unter Angst, Panikattacken, Unruhe, Zwangsgedanken, nächtlichem Aufschrecken, vegetativen Symptomen wie Schweißausbrüchen, Herzrasen, Blutdruckanstieg etc.

Es gibt dafür verschiedene mögliche Ursachen / Erklärungsmodelle:

Entzugsbedingte Störung des Gleichgewichts zwischen Sympathikus und Parasympathikus:
Diese zwei sind natürliche Gegenspieler im vegetativen Nervensystem, deren Zusammenspiel fein austariert wird. Der Sympathikus ist für die Aktivierung zuständig, der Parasympathikus für die Beruhigung. Wird der Sympathikus zu stark aktiviert, kann sich das in Unruhe, Angst, Panik, verstärkter Muskelanspannung etc. äußern. Dabei spielen verschiedene Botenstoffe eine Rolle, wie z.B. Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol.

Enthemmtes Alarmsystem:
Auch diese Theorie bezieht sich auf eine Störung des Gleichgewichts im vegetativen Nervensystem. Hier wird vermutet, dass das Glutamatsystem übermäßig aktiviert wird und es dadurch zu einer Enthemmung des „Flucht oder Kampf“-Zentrum im Locus caeruleus kommt. Dies wird auch als "Enthemmung des körpereigenen Alarmsystem" bezeichnet. Hier findest du eine Beschreibung dieser Theorie: viewtopic.php?t=78

Übermäßiger frühmorgendlicher Cortisolausstoß:
Cortisol ist ein Stresshormon, das frühmorgens ausgeschüttet wird um den Körper zu aktivieren und auf den Wachzustand vorzubereiten. Diese Theorie besagt, dass entzugsbedingt zu viel Cortisol ausgeschüttet wird und dies zu der morgendlichen verstärkten Unruhe, Angst etc. führt, was sich im Laufe des Tages mit dem Absinken des Cortisolspiegels wieder bessert. Auch das frühmorgendliche Hochschrecken mit Angst und Panik kann daran liegen.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten:
Im Entzug kann es zu vorübergehenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie z.B. einer Histaminintoleranz kommen. Auch solche Unverträglichkeiten können Symptome wie Angst, Panik, Herzrasen auslösen.
Hier findest du einen eigenen Thread zum Thema Histaminintoleranz im Entzug: viewtopic.php?f=18&t=84

Reboundsymptome:
Wenn du bereits vor der Medikation unter Angst und Panik gelitten hast, kann diese Symptomatik entzugsbedingt vorübergehend als "Reboundsymptom" wieder auftreten. Dies bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass deine Ursprungserkrankung wieder da ist.


Potenzielle Trigger, die individuell besser zu vermeiden sind:
  • Sport und große körperliche Anstrengung
  • antriebsteigernde Nahrungsergänzungsmittel, aufputschende Getränke etc.
  • aufregende Filme, Computerspiele, Bücher, Filme
  • Stress und emotionale Aufregung
  • energiefreisetzende Behandlungsformen, wie z.B. Akupunktur
  • stark energetisierende Übungen, z.B. aus dem Yoga, bestimmte Atemtechniken
  • aufdeckende Psychotherapie

Hilfreiche Tipps:

Je nach Ursache können verschiedene Dinge hilfreich sein. Grundsätzlich hilft, sich klar zu machen, dass es sich um eine Fehlsteuerung im Nervensystem handelt und keine echte Gefahr besteht.
  • Rationales Überprüfen der Ängste
  • Beruhigende Maßnahmen, die den Parasympathikus aktivieren (z.B. Entspannungsübungen, beruhigende Atemübungen, Meditationsübungen), siehe hier viewtopic.php?f=17&t=35
  • Die Angst anerkennen, nicht dagegen ankämpfen, aber ihr auch nicht Glauben schenken ("Hallo Angst, da bist du ja wieder, lass uns zusammen eine Tasse Tee trinken")
  • Ablenken
  • Überprüfen, ob es einen Zusammenhang zu bestimmten Nahrungsmitteln gibt
  • bei frühmorgendlichen cortisolbedingten Zuständen:
    in einem abgedunkelten Raum schlafen
    Etwas Süßes essen, da Insulin ein Gegenspieler von Cortisol ist, oder bereits spät abends noch eine Scheibe Vollkornbrot essen

Einige Tricks bei Panikattacken:

Der Uhrentrick:
Verlasse den Raum und ziehe dich an einen stillen Ort zurück, indem du nur eine Uhr tickt. Konzentriere dich auf das Ticken und mache bei jedem Ticken einen Laut. Gelingt es dir, dich auf die Geschwindigkeit der Uhr (60 Schläge pro Minute) "herunterzuschrauben", bist du einem Normalpuls und Beruhigung wieder sehr nahe.

Bauchklopfen bei Herzklopfen:
Lege dich hin, schaue evtl. zur Ablenkung parallel fern. Lege die Hand auf den Oberbauch und "klopfe" darauf. In dem Moment, in dem du klopfst, wird du das Herz nicht mehr pochen spüren. Das Tempo und die Stärke des "Klopfens" kannst du danach richten, wie stark und schnell dein Herz gerade schlägt. Nach einiger Zeit kannst du dann das Ganze verlangsamen und weniger kräftig klopfen und irgendwann ganz damit aufhören.

Schulterklopfen:
Lege dir selbst die linke Hand auf die rechte Schulter und die rechte Hand auf die linke Schulter, so dass sich deine Arme vor deiner Brust kreuzen.
Dann klopfst du dir zuerst im Sekundentakt abwechselnd mit der linken und dann mit der rechten Hand einmal auf die Schulter, dort wo deine Hand liegt. Erst auf die rechte Schulter klopfen, dann auf die linke Schulter, dann rechte Schulter, dann linke Schulter. Zuerst im Sekundentakt. Dann kannst du auch schneller werden.
(Diese Übung stammt aus der energetischen Psychologie und baut Spannungen und Stress ab).

Autosuggestion ("Selbstbeeinflussung"):
Setze dich aufrecht hin, atme tief durch und sage dir selbst bestimmte Sätze. Diese solltest du mindestens 5 Mal langsam wiederholen, zwischendurch atme immer wieder tief durch.
Mögliche Sätze sind z.B.:
"Mir geht es gut"
"Ich fühle mich wohl"
"Mein Herz schlägt ganz ruhig"
"Ich bin ruhig und ausgeglichen"

Rationales Denken:
Stelle dir folgende Fragen:
"Was passiert gerade in diesem Moment mit mir?"
"Warum habe ich solche Angst? "
"Kann das wovor ich Angst habe eintreten?"
"Ist es schon mal eingetreten?"

Optische-Kontraste-Methode:
Betrachte oder starre auf ein optisch kontrastreiches Muster wie z.B. auf ein Schachbrettmuster oder auf die Linien auf einem Block oder die schwarze Schrift auf hellem Untergrund eines Textes.
Durch diese starke Stimulation des Sehnervs werden Gehirnareale aktiviert, die die Panikattacke wieder zum Verschwinden bringen.

5-4-3-2-1 Methode:
5 Sachen erspähen, die man sieht, 5 Sachen, die man hört und weiter mit 4. Und so weiter. Diese Methode richtet die Aufmerksamkeit auf die Umgebung und verhindert so das zwanghafte in sich Hineinspüren.


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