Psychedelika bei Depressionen nicht wirksamer als herkömmliche Antidepressiva
Psychedelische Therapie vs Antidepressiva zur Behandlung von Depressionen unter gleichen nicht-verblindeten Bedingungen - Eine systematische Überprüfung und Meta-Analyse (2026)
Link zur Studie
Bei einer psychedelisch-unterstützen Therapie werden bewusstseinsverändernde Eigenschaften psychedelischer Substanzen gezielt zur Unterstützung des psychotherapeutischen Prozesses eingesetzt.
Frühere Studien zeigten, dass eine psychedelisch-unterstütze Therapie (PAT/psychedelic-assisted therapy) bei Depressionen wirksamer ist als eine Behandlung mit herkömmlichen Antidepressiva (TAD/traditional antidepressants). In diesen Studien wurden die Ergebnisse psychedelisch-unterstützer Therapie mit einer verblindeten Antidepressiva Behandlung verglichen. Verblindet bedeutet, dass weder der Patient noch der Forscher wissen, ob ein Wirkstoff oder ein Placebo verabreicht wird.
Diese Studienergebnisse wurden jedoch dadurch verzerrt, dass bei Psychedelika eine echte Verblindung nicht möglich ist. Die Patienten merken an den starken spezifischen Wirkungen zumeist sofort, ob sie ein Psychedelika oder ein Placebo bekommen haben. Bei Antidepressiva hingegen ist dies nicht so leicht erkennbar.
Um beide Behandlungsarten unter gleicheren Bedingungen zu untersuchen, verglichen die Forscher um Zachary J. Williams, in einer Metastudie die Verbesserungen unter einer psychedelisch-unterstützen Therapie mit denen einer offenen herkömmlichen Antidepressiva-Behandlung. So wussten die Patienten in beiden Gruppen, dass sie einen aktiven Wirkstoff und kein Placebo erhielten.
Nun zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied in der Verbesserung der Depressionsschwere der Patienten nach psychedelisch unterstützter Therapie und offen verabreichten traditionellen Antidepressiva. Beide Behandlungsarten waren gleich wirksam.
Um die Bedeutung der Verblindung besser beurteilen zu können, wurden bei der jeweiligen Behandlungsart auch die Ergebnisse der verblindeten mit den nicht-verblindeten Studien verglichen.
Die Forscher ziehen folgendes Fazit:
In Studien zur Behandlung von Depressionen erwies sich die PAT als nicht wirksamer als offen verabreichte TADs. Die Verblindung machte bei den TADs einen Unterschied, bei der PAT jedoch nicht, was bestätigt, dass PAT-Studien praktisch immer offen durchgeführt werden. Diese Ergebnisse sprechen gegen die äußerst optimistischen Darstellungen rund um die PAT und unterstreichen die Bedeutung einer einwandfreien Verblindung.
Quellenangabe:
Williams ZJ, Barnett H, Szigeti B. Psychedelic Therapy vs Antidepressants for the Treatment of Depression Under Equal Unblinding Conditions: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Psychiatry. 2026;83(5):461–468. doi:10.1001/jamapsychiatry.2025.4809