Psychopharmaka und Knochenabbau bei Männern
Es ist bekannt, dass die Einnahme von Psychopharmaka zu Knochenschwund beitragen kann. Frühere Studien untersuchten schwerpunktmäßig den Verlust der Knochenmasse bei älteren Menschen, v. a. bei Frauen. Eine Forschergruppe um D. Kavindi Weerasinghe befasste sich nun mit der Frage, wie sich die Einnahme von Psychopharmaka (Antidepressiva, Antipsychotika, Antikonvulsiva) langfristig auf die Knochengesundheit von Männern über alle Altersspannen hinweg auswirkt.
Einnahme von Psychopharmaka und Knochenabbau bei Männern: eine Längsschnittstudie (2026)
Link zur Studie
Abstract: (Teilübersetzung)
Hintergrund
"Es wurde nachgewiesen, dass die Einnahme von Psychopharmaka mit einer verminderten Knochenmineraldichte (BMD) und Knochenqualität sowie einem erhöhten Frakturrisiko einhergeht. Über den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Psychopharmaka und dem damit verbundenen Knochenabbau im Laufe der Zeit ist weniger bekannt."
Ziele
"Ermittlung des Zusammenhangs zwischen der Einnahme von Psychopharmaka und dem Knochenabbau bei Männern."
Methodik
"Für diese Längsschnittstudie wurden Daten von 940 Männern (im Alter von ≥ 20 Jahren) herangezogen, die an der Geelong-Osteoporose-Studie teilnahmen. Die Knochenmineraldichte (BMD, g/cm²) an Wirbelsäule und Hüfte wurde zu Studienbeginn sowie 5 und 15 Jahre nach Studienbeginn mittels Dual-Energie-Röntgenabsorptiometrie gemessen. Der Body-Mass-Index (BMI) wurde berechnet, Lebensstilfaktoren und Medikamenteneinnahme wurden selbst angegeben, und der sozioökonomische Status wurde ermittelt. Stimmungs- und Angststörungen wurden durch ein klinisches Interview identifiziert. Zur Ermittlung der Zusammenhänge wurde eine multivariate lineare Regression verwendet."
Schlussfolgerungen
"Die Einnahme von Psychopharmaka war bei nicht adipösen Männern mit Knochenabbau assoziiert, was die Notwendigkeit regelmäßiger Kontrollen und präventiver Strategien zum Schutz der Knochengesundheit unterstreicht."
Die Forscher führen dazu aus:
"Im Laufe der Zeit können selbst geringfügige Abnahmen der Knochenmineraldichte (BMD) klinisch bedeutsam sein. Absolute Veränderungen der BMD von mehr als 0,057 g/cm² an der Wirbelsäule und 0,046 g/cm² an der Hüfte gelten als klinisch signifikant (siehe Phillipov, Seaborn und Phillips³⁷), und solche Abnahmen sind mit einem erhöhten Frakturrisiko verbunden.
Wenn die Einnahme von Psychopharmaka mit fortschreitendem Knochenverlust einhergeht, sollten regelmäßige Kontrollen und präventive Maßnahmen wie die Einnahme von Kalzium- und Vitamin-D-Präparaten, Belastungstraining und medikamentöse Therapien als Teil des Behandlungsplans in Betracht gezogen werden.
Zusammenfassend deuten unsere Daten darauf hin, dass die Einnahme von Neuroleptika bei nicht-adipösen Männern mit einer Abnahme der Knochenmasse verbunden ist. Dieses Muster wurde auch bei Anwendern von Antidepressiva und Antikonvulsiva beobachtet. Da psychische Erkrankungen oft lebenslang behandelt werden müssen, sind diese Informationen wichtig für personalisierte Behandlungsentscheidungen, insbesondere für die Erhaltung der Knochengesundheit bei psychiatrischen Patienten."
Quellenangabe: Weerasinghe DK, Stuart AL, Pasco JA, et al. Psychotropic medication use and bone loss in men: longitudinal study. BJPsych Open. 2026;12(2):e89. doi:10.1192/bjo.2026.10985